Rühr mich nicht an

12. September 2018

Sehnsucht nach Berührung!

Die einen lieben sie, andere meiden sie. Es geht um Berührung. Über unser größtes Organ werden wir über Geben und Nehmen stimuliert. Doch nicht jeder/m fällt dies leicht. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine Umarmung beruhigend jedoch auch beängstigend sein kann. Doch warum ist das so? Die Antwort finden wir ganz am Anfang unseres Lebens. Die ersten Berührungen erfahren wir bei unserer Geburt und danach im Normalfall von unseren Eltern. Es entwickelt sich eine Bindung (engl.: Bonding, Britischer Kinderarzt John Bowlby, Begründer der Bindungstheorie), die uns Vertrauen und Sicherheit schenkt. Doch nicht immer bekommt ein Baby diese Bindung und so entstehen erste Bondingrisse, die bis ins Erwachsenenalter einen Menschen belasten können. Doch was ist dieses Bonding denn nun? Bonding ist das englische Wort für Bindung. Es geht hier um eine Herzensbeziehung. Die erste Beziehung dieser Art hat jeder von uns schon im Mutterleib. Danach folgt das erste Bonding durch unsere Geburt. Hier spreche ich von natürlichen Geburten – nicht von Kaiserschnitten. Studien behaupten, dass Kaiserschnittkinder tendenziell weniger hartnäckig, ausdauernd und resilient im Leben sind. Es kann passieren, dass sie unsicherer neuen Dingen gegenüber sind und eher zu Existenzängsten neigen. Eine natürliche Geburt ist somit ein tiefes kraftvolles Bonding für das Baby. Zu Beginn, wenn ein Kind auf die Welt kommt, gibt es nur eine Kommunikationsform, nämlich die der Berührung. Dadurch „sprechen“ wir mit ihr/ihm. Über dieses Fühlen findet eine erste Form der Kommunikation statt. Das Verstehen über den Verstand kommt erst viel später (Frederick Leboyer).   Es gibt einige Studien über die Massage von Babys, welche Auswirkungen diese auf die Baby hat. Hier ein kleiner Auszug davon:
  • Größere Gewichtszunahme (Übersicht bei Field et al. 2004)
  • Babys konnten früher aus dem Spital entlassen werden (Übersicht bei Field et al. 2004)
  • Bessere motorische Reaktionen und weniger Stressverhalten nach der Brazelton Neonatal Assessment Scale (NBAS) (Field et al.1986; Scafidi & Field 1996)
  • Mütter haben weniger Depressionen, spüren eine stärkere Bindung zum Baby
  • „Känguruhpflege“ –  diese Form der Berührungstherapie oder des Hautkontaktes steht im Zusammenhang mit besseren Reaktionen des Kindes, einschließlich einer verbesserten Zustandsregulierung und besseren Regulierung von Herzfrequenz und Temperatur (Bystrova et al. 2003; Morelius et al. 2005).
  • der Haut-zu-Haut-Kontakt wurde mit einer größeren körperlichen und emotionalen Nähe der Eltern zum Kind in Verbindung gebracht
  • verstärktes gegenseitiges Anschauen und Berühren und einer feinfühligeren elterlichen Fürsorge (Feldman et al. 2003)
  • Kinder haben weniger Schmerzen, verbesserte Atmung, stabileren Kreislauf (Dr. med. Michael T. Thiel. 31.5.2010, leitende Neonatologe der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke)
Sogar schon Hippokrates, der „Vater“ der Medizin, wusste von diesem Phänomen, denn er war der Meinung, dass Berührung eine ärztliche Methode des Heilens sei. Wenn man zurückdenkt, so erkennt man, dass es jahrhundertelang die Hände des Arztes waren, die diagnostiziert und geheilt haben (Older 1984). Erik Erikson, Psychoanalytiker, war der Meinung, dass sich in einem Menschen nur dann Urvertrauen entwickeln könne, wenn zumindest eine Person sich liebevoll um ein Kind kümmere (Erikson, 1957). Es zählt zu den Grundbedürfnissen von Babys/Kindern Liebe, Schutz und Fürsorge zu bekommen, da sie ja von den Eltern abhängig sind. Fehlt die Befriedigung dieser Bedürfnisse, so kann dies in weiterer Folge zu Unsicherheiten, Ängsten und zu einem inneren Spannungszustand führen (Bühler, 1959; Spangler et al., 2002). Was heißt das nun für uns und unser Stressverhalten? In der Arbeit mit meinen KlientInnen erlebe ich ein nicht abgeschlossenes Bonding sehr oft. Wie sich das im Alltag zeigen kann, möchte ich dir hier mit ein paar einfachen Beispielen zeigen:
  • Sehnsuchtsvolles Suchen nach einem Partner
  • Ablehnung von Umarmungen
  • Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe
  • Berührung und körperliche Nähe wird vermieden
  • Existenzängste
  • Verlustängste, usw.
Wenn dies nun alles zu negativ für dich klingt, dann kommt jetzt die gute Nachricht:   Bonding kannst du nachholen! So eine Bonding-Session kann man über der den Verstand nicht so einfach erklären. Du spürst danach, dass etwas anders ist und du dich viel wohler fühlst. Meine KlientInnen beschreiben das z.B. so:
  • Ich fühle mich irgendwie wieder mehr ganz
  • Meinen Körper kann ich wieder mehr wahrnehmen
  • Die Angst ist weniger geworden und ich fühl mich sicherer, usw
Bonding ist eine absichtslose Berührung komplett im Hier und Jetzt. Wenn dich dieses Thema interessiert oder vielleicht sogar etwas in dir auslöst, so schreib mir gleich – über das Kontaktformular oder einfach per Mail (office@manuelaweiss.com). Warte nicht, denn dieses Leben ist dafür viel zu kurz. Mach dich auf den Weg zu deinem wahren Selbst – deinem individuellen Potential und hol dein Bonding nach. Du hast es verdient glücklich zu sein! Alles Liebe Manuela